Ziele des Gesamtvorhabens und Strategische Vorteile von Unternehmenskooperationen


1. Gesamtziel des Verbundvorhabens

Eine Virtuelle Unternehmung ist ein intendiert befristeter Zusammenschluß rechtlich selbständiger und unabhängiger Organisationen, in die jedes Mitglied auf der Basis partnerschaftlicher Kooperation seine Kernkompetenzen einbringt. Das dabei entstehende Netzwerk tritt im Außenverhältnis als einheitliche Organisation auf und bietet Produkte oder Dienstleistungen an, in die die Leistungen der einzelnen Partner einfließen. Das Konzept bietet besonders kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) strategische Vorteile, um im Wettbewerb zu bestehen.

  • Die Kooperation bietet die Chance, komplementäre Kompetenzen der Partner zu verbinden. Damit können spezialisierte Dienstleister gemeinsam am Markt auftreten und eine Aufwertung des eigenen Leistungsspektrums erreichen. Durch die Bündelung von Leistungen kann sich das Netzwerk als Systemanbieter etablieren und Komplettlösungen statt isolierter Einzelleistungen anbieten.
  • Das Virtuelle Unternehmen verfügt über mehr sichtbare Größe als die einzelnen Partner. Damit können insbesondere KMU einen wesentlichen Nachteil im Wettbewerb überwinden: Sie bauen ihre Marktpräsenz aus und können dadurch mit größeren Unternehmen in Wettbewerb treten.
  • Jeder Partner eröffnet mit seinem Kundenstamm einen potentiellen Markt für das gesamte Netzwerk. Neben der besseren Kenntnis der Kundenwünsche ergibt sich die Möglichkeit, Vertrauen der Kunden in einzelne Unternehmen für das gesamte Netzwerk in Anspruch zu nehmen und dadurch einen größeren Kundenstamm aufzubauen.
  • KMU verfügen im Vergleich zu größeren Wettbewerbern häufig über geringere Investitionsspielräume und Kapazitätsreserven. Die Kooperation im Rahmen eines strategischen Netzwerks unterstützt die Nutzung einer gemeinsamen Infrastruktur und erlaubt die Bündelung von FuE-Aktivitäten sowie eine Kosten-/Risikoteilung bei der Entwicklung und Einführung von Dienstleistungen.
  • Aus der Koordination der FuE- und Planungsaktivitäten der Partner im Netzwerk können sich signifikante Zeit- und Kostenvorteile ergeben. Eine wechselseitige Abstimmung führt zum Abbau mehrfach erbrachter Leistungen und setzt damit knappe Kapazitäten zur Entwicklung marktfähiger Dienstleistungen frei.

Das Projekt "ServiceNet - Virtuelle Dienstleister" zielt darauf, dieses Konzept im Dienstleistungssektor mit regionalem Schwerpunkt umzusetzen. Dazu werden entsprechende Netzwerkstrukturen entwickelt und in Kooperation mit KMU unterschiedlicher Branchen erprobt. Dabei kommen folgende Bereiche in Betracht, in denen trotz sachlich und inhaltlich eng zusammenhängender Leistungsangebote eine befriedigende Abstimmung bislang weitgehend nicht erreicht ist und die Entwicklung umfassender Dienstleistungen sinnvoll erscheint. Der Kunde erhält somit ein breites Dienstleistungsspektrum aus einer Hand:

  • Opus est mit Unternehmen aus den Bereichen: Druck, Grafik und Design, Neue Medien, ...
  • HiT - Handwerk im Team mit Partnerorganisationen aus den Branchen: Gebäude- und Textilreinigung, Instandhaltung (Maler, Elektro, Heizung, Sanitär), ...
  • Lautrer Markt mit Partnern aus den Bereichen: Friseurhandwerk, Gastronomie, Bahn, Autovermietung, Parken, sowie Supermärkte, Drogerien, Floristen, Metzgereien, Bäckereien, Reinigungsbetriebe, Fotodienste, Ticketservice (Kultur und Reise), Post- und Paketdienste, Bücher und Zeitschriften, ... (Lautrer Markt - Mitgliedsfirmen)

Die Auswahl dieser inhaltlichen Schwerpunkte trägt der Tatsache Rechnung, dass Handwerk und verwandte Berufe im Dienstleistungssektor eine wichtige Rolle spielen, bei der Umsetzung neuer Organisations- und Kooperationskonzepte jedoch bislang nur untergeordnete Bedeutung erlangt haben. Die betrieblichen Strukturen sind daher häufig traditionell geprägt; neue Dienstleistungsangebote und Formen der Zusammenarbeit werden nur vereinzelt realisiert. Der letztgenannte Bereich Lautrer Markt steuert überdies durch eine Aufwertung des innerstädtischen Dienstleistungsangebots dem vielerorts zu erkennenden Trend zur Verlagerung von Einzelhandelsangeboten aus den Innenstädten in Randlagen entgegen.

Darüber hinaus ermöglichen die genannten Schwerpunkte die Erprobung zweier unterschiedlicher Netzwerkkonzepte: In den ersten beiden Fällen sind alle Mitgliedsorganisationen gleichzeitig Ansprechpartner für die Kunden und Erbringer der ursprünglich nachgefragten Leistung (hier: Drucken oder handwerkliche Leistungen), im dritten fallen diese Rollen auseinander. Ein Teil der Partner fungiert hier als Ansprechpartner nach außen und Koordinator nach innen, die übrigen als interne Lieferanten (hier: als Anbieter von Produkten des täglichen Bedarfs).

Die Schwerpunkte im Projekt liegen auf der organisatorischen und rechtlichen Gestaltung der Kooperation und auf der Realisierung eines gemeinsamen Marktauftritts. Der Ansatz ermöglicht KMU die Entwicklung umfassender Serviceangebote und damit eine Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Durch das Projekt wird das Konzept der Virtuellen Unternehmung, das insbesondere für KMU große Erfolgspotentiale bietet, als praxisrelevanter Ansatz zur Unternehmenskooperation etabliert.



2. Ziele des wiss. Leitvorhabens

Das Teilvorhaben "Gestaltung und Steuerung Virtueller Unternehmen" dient als wissenschaftliches Leitvorhaben der Aufbereitung der wissenschaftlichen Grundlagen und der darauf aufbauenden fachlichen Beratung der übrigen Teilprojekte. Gleichzeitig werden Erfahrungen aus den umsetzungsorientierten Teilprojekten gesammelt, ausgewertet und in Gestaltungsempfehlungen umgesetzt, die einzelfallunabhängig gelten und die Implementierung von Kooperationsmodellen in anderen Bereichen unterstützen.